23. Juni 2026
Langjährige Schulpfarrerin Iris Brandt in den Ruhestand getreten
Nach einem Vierteljahrhundert im Schuldienst ist Pfarrerin Iris Brandt in diesem Jahr in Ruhestand getreten. Im Portrait blickt sie zurück auf ein wechselhaftes Berufsleben im Pfarramt, das mit vielen Jahren im Schuldienst "wie im Himmel" an der Maximilian-Kolbe-Schule in Wiebelskirchen endete.
Es gibt Menschen, die wissen von Anfang an, wo sie im Leben hinmöchten. Manchmal dauert es aber ein wenig, bis man dorthin kommt. So ging es zumindest Iris Brandt, die im Februar als Schulseelsorgerin verabschiedet wurde.
Gebürtig aus Saarbrücken-Burbach begleitete Iris Frühauf die Kirche von klein auf. Nach ihrer Konfirmation half sie im Kindergottesdienst ihrer Kirchengemeinde. Pfarrerin zu werden, der Gedanke kam ihr dennoch zunächst nicht. Das Lehramt hatte es ihr angetan, ursprünglich mit den Fächern Mathe und Sport. Weil sie eingangs den Sporttest verpasste, schrieb sie sich stattdessen für Evangelische Religion ein. Nach wenigen Semestern wurde ihr klar, dass auch Mathe nicht ihr Fach war, sodass sie sich ganz auf Theologie mit dem Ziel des Pfarramts konzentrierte.
Im Studium lernte sie ihren Kommilitonen Hartmut Brandt kennen und lieben, noch während des Studiums, das die Saarbrückerin nach Mainz und Heidelberg führte, heiraten die beiden. Nicht ganz so glatt wie im Privaten lief es zunächst beruflich. In der Prüfung zum Ersten Staatsexamen fiel sie zunächst einmal durch. Der Anlass dafür – womöglich ein Verwaltungsfehler bei der Landeskirche, so zumindest ihre Vermutung. „In deren Liste stand, dass ich nur sechs Semester studiert hätte“, erzählt sie kopfschüttend. Womöglich habe man keine Examenskandidatin mit einer so kurzen Studienzeit bestehen lassen wollen. Dabei seien es eigentlich sechs Jahre, also zwölf Semester gewesen. Woher der Fehler in den Unterlagen der Landeskirche war, konnte nicht abschließend geklärt werden – klar ist nur, dass die falsche Zahl so über Jahrzehnte in der Akte verblieb und erst kurz vor ihrem Ruhestand korrigiert wurde.
Schwieriger Start ins Berufsleben
Im zweiten Anlauf klappte es schließlich Mitte der 1980er-Jahre mit dem Examen. Ihr Vikariat absolvierte sie wieder im Saarland, in der Kirchengemeinde Dudweiler bei Pfarrer Kausch– aus familiären Gründen in Teilzeit, denn zwischenzeitlich war sie erstmals Mutter geworden. Nach ihrem Probedienst in verschiedenen Gemeinden im damaligen Kirchenkreis Ottweiler wurde sie 1991 in der Evangelischen Kirche Fischbach ordiniert. Noch in ihrem Ordinationsgottesdienst kam es zum Bruch mit dem dortigen Ortspfarrer und dessen Gemeinde wegen bestimmter Inhalte ihrer Predigt. Dort bleiben konnte Iris Brandt also nicht, aber Superintendent Jung vermittelte sie in die Kirchengemeinde Scheib-Furpach zu Pfarrer Walbrod, wo sie ihre Probezeit auch beendete. Da man ihren Mann Hartmut zwischenzeitlich auf eine Pfarrstelle in Dirmingen gewählt hatte, war seitens der Landeskirche nicht gewünscht, dass sie sich auf eine eigene Pfarrstelle bewarb. Doch auch gemeinsame Bewerbungen der Brandts als Pfarrerehepaar blieben erfolglos – meist mit dem Argument der Kirchengemeinden, dass Hartmut Brandt ja bereits eine feste Stelle habe, über die seine Frau mit versorgt sei. So konnte Iris Brandt zunächst nur als Angestellte arbeiten, nicht als Pfarrerin.
2001 schließlich entschied sich die Kirchengemeinde Dirmingen zur Teilung der Pfarrstelle unter dem Ehepaar Brandt. Iris Brandt blieb aber nur wenige Monate dort. Bereits im November desselben Jahres wurde sie von der damaligen Superintendentin Ute Vos nach Neunkirchen abgeordnet und kam über eine Umstrukturierung der Arbeitsgebiete des Neunkircher Pfarrteams an die Maximilian-Kolbe-Schule in Wiebelskirchen. Was als Übergangslösung gedacht war, wurde ihr beruflicher Mittelpunkt. Letztlich blieb sie der katholischen Privatschule in Trägerschaft des Bistums Trier fast 25 Jahre treu. „Ich wollte ja immer Lehrerin werden. So hat das doch noch geklappt“, erinnert sich Iris Brandt zurück. Sie konnte sogar ihre Stelle mit einem Lehrauftrag in der Grundschule aufstocken.
Maximilian-Kolbe-Schule als neuer Anker
Die Kolbe-Schule – für sie ein Ort des Miteinanders („wie im Himmel“). Durch die Kopplung von Grund- und Gemeinschaftsschule konnte sie viele Kinder über deren Schullaufbahn begleiten. Ihr Herz schlug immer für Kinder und so freute sie sich jeden Morgen, wenn sie über den Schulhof an der Grundschule vorbei zum Gebäude der weiterführenden Schule ging und von den Kleinen freudig winkend begrüßt wurde.
Auch die Vorzüge einer kirchlichen Privatschule schätzte sie. „Es war klar, dass alle Religionsunterricht haben. Das hat Spaß gemacht“, sagt sie rückblickend. Überhaupt sei der Unterricht immer gut gewesen. Gerade bei den jüngeren Kindern habe sie einiges aus ihrer reichhaltigen Kindergottesdienst-Erfahrung einbringen können. Bis 2020 bleibt sie als Synodalbeauftragte neben der Schule auch dem Kindergottesdienst treu, veranstaltete als Zeil eines Teams regelmäßig Fortbildungen. Insofern sah Iris Brandt genau an der richtigen Stelle.
Die Freude an der Arbeit täuschte über viele Jahre darüber hinweg, dass es hinter den Kulissen vieles nicht rund lief. Ihren ersten Lohn habe sie erst mit drei Jahren Verspätung erhalten, weil die Verwaltung mit der doppelten Abordnung von Dirmingen über Neunkirchen nach Wiebelskirchen und der Refinanzierung der Stelle über das Bistum überfordert gewesen sei, erzählt sie.
Erst 2019 wurde sie – nach 18 Jahren – auch offiziell Schulpfarrerin. Mit dem Eintritt ihres Mannes in den Ruhestand wurde die Dirminger Pfarrstelle aufgehoben und für sie eine eigene Schulpfarrstelle geschaffen. Kurz darauf verstarb ihr Mann, der in den letzten Jahren mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte.
Ruhestand am Horizont
Auch Iris Brandt merkt in den Jahren ab der Pandemie, wie sie „das Drumherum neben dem Unterricht“ zunehmend herausfordert. Immer neue, teils sehr kurzfristig umzusetzende Erlasse des Ministeriums, Maßnahmen zur Digitalisierung, neue Leistungsnachweise und eine Vervielfachung der Bürokratie machen ihr zu schaffen. Hinzu kommen gesundheitliche Probleme. Mit einem lachenden und einen weinenden Auge entscheidet sie sich für den vorgezogenen Ruhestand mit 65 Jahren. Zum Ende des Schulhalbjahrs wurde sie Anfang Februar in einem festlichen Gottesdienst von der Schulgemeinschaft der Maximilian-Kolbe-Schule verabschiedet.
Die erste Zeit im Ruhestand hat sie zur Renovierung ihres Eigenheims genutzt – und zum Ausmisten. Der Umzug aus dem Dirminger Pfarrhaus ins Eigenheim im Jahr 2014 musste schnell gehen, „da konnte ich mich nicht so einrichten, wie ich es wollte“, sagt Brandt. Nun konnte sie sich dafür die Zeit nehmen.