19. Januar 2026
Holocaust-Gedenktag: 24-Stunden-Lesung zum Gedenken an NS-Opfer in Saarbrücker Synagoge
Am 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau lädt die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes (CJAS) mit ihren Kooperationspartnern für Montag, 27. Januar, von 0 bis 24 Uhr, zu der Installation „Klangstele. Gesang vom Zyklon B. Für das Hören – Gegen das Aufhören“ ein. Zum zweiten Mal seit Einführung der 24-Stunden-Lesung im Jahr 1996 findet diese in der Saarbrücker Synagoge (Lortzingstraße 8, 66111 Saarbrücken) statt. Alle Interessierten sind eingeladen, der Eintritt ist frei und ohne Anmeldung möglich.
In der Synagoge werden an drei Tischen vorne im Bereich des Toraschreins wechselnde Sprecher 24 Stunden lang aus dem „Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939 - 1945“ vorlesen. Es handelt sich dabei um eine Rekonstruktion der Ereignisse im Konzentrationslager vom ersten Tag bis zur Befreiung aufgrund von Zeitzeugenberichten. Parallel werden weitere Texte sowie Lyrik vorgetragen. Dazu zählen etwa die „Todesfuge“ von Paul Celan und „Die Ermittlung. Oratorium in elf Gesängen“ von Peter Weis. Das Publikum ist eingeladen, sich beim Sprechen der Texte aktiv an der Klangstele zu beteiligen. Die Texte liegen bereit. Eine Besonderheit in diesem Jahr ist, dass der dritte Tisch nicht von vornherein besetzt ist. Dies soll Gästen, die die Klangstele spontan besuchen, die Möglichkeit bieten, ebenfalls als aktiv Lesende die Erinnerung an die Opfer des NS-Terrors wachzuhalten.
Dazu erklingen in stündlicher Wiederholung Werke von Luigi Nono (Ricorda cosa ti hanno fatto in Auschwitz) und Arvo Pärt („Fratres“, „Cantus“, „Pari Intervallo“). „Durch das Nebeneinander der drei Klangebenen entsteht beim Zuhörer eine Verwirrung, die verstörend wirkt, quasi eine vergiftete Klangstele“, teilen die Organisatoren mit. Diese Verstörung sei gewollt und lasse die Erschütterung und das Leid der Betroffenen erahnen. Vertreter*innen der Religionsgemeinschaften, des saarländischen Landtags und der Landesregierung haben als Lektor*innen zugesagt, ebenso viele Schülerinnen und Schüler sowie Referendarinnen und Referendare. Als prominente Leser zugesagt haben Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, Innenminister Reinhold Jost, Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot, SR-Intendant Martin Grasmück und Polizeipräsident Thorsten Weiler.
Auf dem Platz der Erinnerung vor der Synagoge (Eingang Beethovenplatz) planen CJAS, Synagogengemeinde und Landesdenkmalamt an diesem Tag eine weitere Installation zur Erinnerung an die saarländischen Opfer des NS-Terrors. Besucherinnen und Besucher können Kerzen – beschriftet mit den Namen der Ermordeten – am Mahnmal „Band der Erinnerung“ aufstellen.
Veranstalter der Klangstele ist die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes e.V. (CJAS). Kooperationspartner sind die Synagogengemeinde Saar, die Abteilung Schule und Religionsunterricht des Bistums Trier, das Evangelische Schulreferat Saarland, das Institut zur Lehrerfort- und -weiterbildung (ilf), die Kirche der Jugend Saarbrücken eli.ja sowie der Lesben- und Schwulenverband des Saarlandes e.V., der Landesverband Deutscher Sinti & Roma e.V., die staatlichen Studienseminare sowie sieben Schulen. Autor der Klang-Installation ist Ulrich Voss.
Hintergrund:
Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im heutigen Polen. Seit 1996 ist der 27. Januar als „Tag des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus“ offizieller gesetzlicher Feiertag. Neben den rund sechs Millionen ermordeten Juden wird an diesem Tag auch der getöteten Kommunisten, Sozialisten, Widerstandskämpfer und der Bürger gedacht, die vom NS-Regime als „unwertes Leben“ bezeichnet und vernichtet wurden.